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Meine Wanderung durch die Mark Brandenburg (Teil 1 und 2 von 13 Teilen)

08. Juli 2014, von «Walter Schmidt»

Kriegsende und Flucht aus der Gefangenschaft

                                                1. Im Kessel

Letzte Kampfhandlungen und Aufenthalte in Feldlazaretten haben mich in den »Kessel der 9. Armee« südlich von Berlin verschlagen. Ungeordnete »Haufen« von Soldaten aller Waffengattungen und Tausende von Flüchtlingen versuchen, der eisernen sowjetischen Umklammerung zu entfliehen und Raum nach Westen zu gewinnen. Sie alle, es sollen mindestens 100000 Menschen sein, haben nur ein Ziel: Hin zur Elbe, fort aus dem Kampfbereich der Roten Armee, auf keinen Fall in sowjetische Gefangenschaft! Die meisten Soldaten haben ihre Waffen längst unbrauchbar gemacht und weggeworfen, von kleinen Handfeuerwaffen zur Selbstverteidigung abgesehen. Auch ich trage nur eine kleine Pistole, außerdem sog. leichtes »Sturmgepäck« und die Gasmaske. Letztere wird ganz sicher nicht mehr zum Einsatz kommen, und es ist auch nur noch die leere Büchse übriggeblieben, in die ich einen Vorrat von ca. 200 Zigaretten verstaut habe, aus einem »herrenlosen« Versorgungsfahrzeug stammend, dessen Ladung in Eile an vorbeiziehende Uniformierte und Zivilisten verteilt wurde. Ich bin eigentlich kein großer Raucher, aber diese Zigaretten sollten später für mich noch eine wichtige Bedeutung bekommen! - Eine geordnete Verpflegungsausgabe oder dergleichen gibt es nicht mehr. Jeder ist auf sich selbst gestellt, ganz wie auf einem sinkenden Schiff, wenn es heißt: Rette sich wer kann! Viele, viele haben sich nicht retten können. Überall liegen Tote, Verwundete und andere Hilfslose. Denn immer wieder kommt es urplötzlich zu Feuerüberfällen eingedrungener Sowjetsoldaten und vor allem zu unentwegten Einsätzen russischer Schlachtflugzeuge, die mit ihren Bordkanonen und Maschinengewehren in die Menschenmassen hineinschießen. Zum Glück gibt es hier viele Wälder, meist Kiefernwälder, die zwar wenig Schutz vor dem Beschuß bieten, wohl aber eine gewisse Tarnung ermöglichen. Besonders gefährlich ist es, wenn deckungslose Felder, Wiesen und Plätze zu überqueren sind. Straßen und Wege werden gemieden.

                                                2. Letzte Schüsse

29./30. April 1945. Seit gut einer Woche gehöre ich, noch keineswegs genesen von der Verwundung (an der Oderfront, 20. März, Halsdurchschuss), zu den flüchtenden Menschenmengen. Bis in die Gegend um Beelitz, südlich von Potsdam, bin ich gekommen. Am Abend haben wir uns, eine lose Schar von ca. 100 Mann, Löcher gegraben, um einmal richtig ausschlafen zu können. Um Mitternacht müssen wir jedoch weiter: Panzer sind im Anrollen, und das Nachbardorf haben die Russen besetzt. Inzwischen ist unser »Haufen« auf mehrere hundert Menschen, darunter auch viele Zivilflüchtlinge, angeschwollen. Ein Major der Wehrmacht übernimmt die Führung und bringt es fertig, uns in der Finsternis über Schleichwege an dem Ort vorbeizuleiten. Ich empfinde es als ein Wunder, wie eine solche Menschenmasse lautlos auf unbekannten Wegen so dicht am Gegner vorbeiziehen kann! Es kommt uns allerdings zustatten, daß getroffene (oder gesprengte) Panzer im Ort brennen und deren Munition laufend explodiert. So sind die Russen abgelenkt.

Inzwischen ist es heller Tag geworden, ein herrlicher Frühlingsmorgen. Wir kommen durch ein verlassenes Dorf. Neben mir geht ein etwa 17jähriger Soldat, mehr ein großer Junge in Wehrmachtskleidung, der sich mir angeschlossen hat. Wir unterhalten uns anregend, und er bietet sich an, zeitweise mein Gepäck (oder Teile davon) zu tragen. Das lehne ich ab, denn marschieren kann ich gut. Am letzten Haus des Dorfes passiert es: Aus einem verhangenen Fenster gibt ein Russe einen MP-Feuerstoß ab, an mir knapp vorbei. Der junge Kamerad neben mir fällt zerfetzt zu Boden. Tot! Wir umstellen das Haus, finden den Übeltäter und verpassen ihm seine Strafe.

Weiter geht es, und plötzlich befinden wir uns - mindestens 200 Mann - auf einer riesigen freien Fläche, etwa 2 mal 2 km, ohne Strauch und Baum. Nur Wassergräben teilen das Land. Und schon nach wenigen Minuten blitzt es an zwei Seiten auf: Infanteriebeschuß! Wir kommen uns vor wie Hasen, die sich schutzlos abknallen lassen müssen. Das konzentrierte MG-Feuer liegt gut, und mancher findet hier den Tod. Ich versuche, in einen Graben zu jumpen: lieber naß als tot! Bei diesem Gedanken hole ich mir meine 3. und 4. Verwundung. Zwei Geschosse treffen den linken Oberschenkel. Später stelle ich fest, es handelt sich um einen tiefen Streifschuß und einen Steckschuß. Was nun? An die erhoffte Rettung beim »Ami« an der Elbe ist wohl nicht mehr zu denken. Das Feuer wird zum Glück bald eingestellt. Wir können - wer kann - weiterlaufen. Und nun erleben wir etwas, was die Augen aus dem Gesicht springen läßt: Aus einem am Rande liegenden Dorf kommt ein Zug Sowjetsoldaten anmarschiert, ohne Waffen, mit seinem Offizier. Die Russen nähern sich uns in tadelloser Ordnung und machen bei uns Halt. Der Leutnant spricht uns in gutem Deutsch freundlich an, etwa so: »Leute, der Krieg ist doch vorbei, wollt ihr jetzt noch sterben? Wir geben euch freies Geleit, ihr dürft eure Waffen behalten (?!) und braucht nur mitzukommen. Ihr werdet dann auch bald in die Heimat entlassen!« Wir sind und bleiben mißtrauisch. Nur wenige lassen sich überreden und schließen sich der zurückmarschierenden russischen Einheit an. Das Gros aber zieht weiter, auch ich, trotz der gerade erlittenen Verletzung. Ich besorge mir einen kräftigen Stock, mit dem ich humpelnd den Anschluß zu halten versuche. Auf diese Art gehe ich dann noch ca. 5-6 Kilometer weiter.

Fortsetzung folgt demnächst!

 

 

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